Berührt

Der Weg, der im Gehen zum Weg wird

Sonntag morgens ist alles still. Ich trippele durch die Wohnung und beschließe den Tag im Pyjama zu verbringen. Konsequent. Ich nehme die Wäsche ab und falte Unterhosen. Im Radio erzählt die Nachrichtensprecherin von der italienischen Coronar-Virus-Panik. Irgendwann singt eine Künstlerin darüber, dass sie jemanden begehrt und ihn finden wird, egal wo er sich versteckt. Ein… Continue reading Der Weg, der im Gehen zum Weg wird

Gelebtes

Gras über Graz

Zum 37er nach Graz. Was war Graz mit 19 doch für eine pulsierende, möglichkeitsschwangere Stadt! Das Tor zur Welt. Die Wiege einer neuen Version meinerselbst. Die Werkstatt des Werdens oder Versagens. Der Test des objektiven Ichs im Sumpf anderer postpubertärer und aussichtsloser Studierender. Aus der Kinderstube mit dem Bruder in die teppichbodenverlegte Gratwanderung des Studentenheims.… Continue reading Gras über Graz

Entfaltet

Unbegangene Pfade

31.12.2019 kurz nach 08:00 morgens. Über die Nordkette streicht das erste Gelb der Sonne und die beschneiten Spitzen kontrastieren mit dem babyblauen Himmel. Der letzte Tag in diesem Jahr und ich bin merkwürdig entspannt. Ich schwinge zu Ana Tijouxs 1977 und sehe dem Espresso zu, wie er in die Biletti strömt. Die vergangenen Tage liegen… Continue reading Unbegangene Pfade

Kurioses

Die Auflösung der Sprechkultur oder ein Wiener Hipster- Dialog

In einem fusion-asian Lokal im 7.Gemeindebezirk Er (trägt eine tonsur-ähnliche Frisur und strassbesetzte Ohrringe), Sie (trägt einen engen schwarzen Body und eine Mom-Jeans) Sie: There is sowieso no way, dass diese Hose real ist! Er: Ja so ur ultra Fake casual Sie schaut auf ihr smarty phone: 27 likes Er: Hast du eh enough hashtags,… Continue reading Die Auflösung der Sprechkultur oder ein Wiener Hipster- Dialog

Gelebtes

Mann gesucht!

Wie bei einer königlichen Audienz sitze ich in Seelenfrieden und Erleichterung nur Gast, nicht dauer-gebusselte Braut mit aufgemeiseltem Geht- immer - Lächeln zu sein, staune über den Detailreichtum und Liebe und empfange nicht Bittsteller aber Rat-Geber. Nicht muss ich irgendwelche Schulden erlassen oder königliche Nachsicht walten lassen, sondern mit dankend gesenkten Haupt die Hände aufhalten… Continue reading Mann gesucht!

Gelebtes

Herkunft

Herkunft. Saša Stanišić gewinnt mit seinem Roman den Deutschen Buchpreis 2019. Herkunft-Provenienz-Abstammung-Quelle-Ursprung-Ansatz-Ausgangspunkt. Unser gemeinsames schiefes Lächeln, Insomnie und schlanke Finger. Meines Vaters Nase, sturmzersaustes Gemüt und großes Mundwerk. War das nicht genug des Erbes? Dieses Erbe war nicht nur die Hälfte zweier Menschen, sondern deren Wünsche, Hoffnungen, Sorgen und Idealvorstellungen an das von ihnen Geschaffene.… Continue reading Herkunft

Berührt

Erinnerung an einen Kuss

Aus gegebenem Anlass und einfach weil es schön ist und wer bereichert sich nicht gern mit Schönem? Sofern niemand dabei zu Schaden gekommen ist. Ein Löwenzahn bugsiert sich durch zwei harte Steinplatten an die Sonne, andere vor und nach ihm wurden mit einem genervten Blick ausgerupft. Lästig dieses Unkraut. Unbelehrbar obendrein. So ist die Liebe… Continue reading Erinnerung an einen Kuss

Gelebtes

Lerici und das Fin de Siècle

Einen angenehmen Spaziergang würde ich den Weg von Fiascherino nach Lerici nicht nennen. Auf einem schmalen Streifen, der weniger für Fußgänger als als Puffer bevor man mit den Auto gegen die Leitplanken knallt gedacht ist, bewege ich mich immer, brav auf die entgegen kommenden Autos achtend, um die engen Kurven entlang der Buchten mit luxeriös… Continue reading Lerici und das Fin de Siècle

Beflügelt

Tag am Meer

Tag am Meer (Fanta 4) Am Golfo dei Poeti, am Fiascherino Beach, liege ich (indirekt) in der Sonne. Nichts tun. Nur schauen. Leuchtturm-Mammas wacken, während sie niemals ihre Kücken aus den Augen verlieren, im seichten Wasser ihre Füße. Matteo gibt als Bauaufsicht Weisungen an den Vater, der gekrümmten Rückens, insgeheim grübelnd wie er wohl für… Continue reading Tag am Meer

Gelebtes

homini hominus lupus est

Aus irgendeinem Grund erinnerte ich mich an "Trotzdem Ja zum Leben sagen" von Viktor E. Frankl. Die letzte der menschlichen Freiheiten besteht in der Wahl der Einstellung zu den Dingen. (V. E. Frankl) Vor paar Wochen las ich "Die Freiheit frei zu sein" von Hannah Arendt. So war die Brücke zu den Eichmann-Prozessen geschlagen. Arendts… Continue reading homini hominus lupus est