Entfaltet, Gelebtes

In einem Garten

Nach einer wirren Nacht mit Träumen von Inseln, Schiffen und mir, die sich urplötzlich einen Orientierungssinn zugeeignet hatte (also definitiv ein Traum!) und Sonnenstrahlen, die mir um kurz nach acht Uhr aus dem Bett befahlen, einer viel zu großen Tasse Kaffee und einem Teller zimtigen Milchreis, floh ich dem Drang die Wände der Wohnung neuzugestalten in den Botanischen Garten.

Ich halte mich im Schatten einer Scheinzypresse auf.
Der Botanische Garten in Innsbruck liegt entrückt über der Stadt und schluckt das Menschengewusel (eine Masse im Gänsemarsch Marschierender, die Schlange stehen für ein Schnitzel unterm Goldenen Dachl) in ihren dichten Baumwipfeln.
Hierher verirren sich nicht viele. Die Flieger rauschen über mich und die Nordkette blitzt noch schneebedeckt zu meiner Linken.

Die Luft ist übervoll Frühling, die Pfingstrosen betören im Verblühem mit ihrem Magenta-Duft, lediglich im Schatten lauert noch ein Hauch von Winter.
Allem wird gebührend Respekt gezollt, auch dem Ausdauernden Gänseblümchen (die nennt sich im Fachjargon wirklich so), dem Inbegriff einer wilden Blumenwiese, und man kann sein Wissen in der Botanik vertiefen, oder taucht die Nase im Duft- und

Tastgarten in Zitronenmelisse und Co.

Der Lenz ließ erst auf sich warten und kracht heute mit 28°C in die Stadt und alles will an die Sonne.
Wenn ich mich umblicke, fühl ich mich wie ein heimlicher Beobachter entzückender Begebenheiten:
Eidechsen kreuzen mir den Weg, spielen

Fangen und die Bienen und Hummeln wissen gar nicht, wo zu erst hin: Rosen, Mohn, oder doch die unaussprechliche Trachystemon Orientale? Nur ja fernbleiben aber von der Echten Goldrute, sie sei betörend.

Eine Wasserschlange zieht flink Wellen im Teich und sonnt sich anschließend an den Steinen.
Ein neugieriger Siebenschläfer schaut unter einem Stein hervor, traut sich aber nicht mir zu nahe zu kommen. (Er hat wahrscheinlich von meinem hysterischen Anfall, als sich ein Kumpel von ihm abends im Wohnzimmer verirrt hatte, gehört)

Es ist ruhig hier, jeder tut, was er will. Ein alter Herr dreht bereits seine fünfte Runde an mir vorbei im zügigen Schritt und Bestimmtheit auf den Lippen.
Ich sitze hier unter der Zypresse und später ein bisschen unter der Hängebirke und bei den Johannisbeeren und lese Isabel Allende… Ein schöner Samstag…

continue wandering in my garden-stories: Garden Eram Shiraz, Sri Lanka, Im geheimen Garten Koreas

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