Beflügelt

Rolling with the howling monkeys

Nach einem kurzen Flug, ging es von Coca mit einem Kanu den Napo Fluss hinunter Richtung Garzacocha See. Um dort hinzu kommen, musste das Kanu gewechselt werden und wir wurden durch einen engen Flusslauf gepadelt, das von beiden Seiten durch schwere grüne Vegetation begrenzt wurde. Wir waren bereits zwei einhalb Stunden auf Wasser unterwegs, aber erst diese Kanufahrt machte mir bewusst, dass ich mich im Amazonas befand. Es war wie der verborgene Zutritt in einem verwunschenen Garten, die Pforten waren tief ins Wasser greifende bemooste Bäume und gewundene Äste.

Der ecuadorianische Anteil war an der fulminanten Gesamtgröße gemessen, ein zu vernachlässigender, aber nichtsdestotrotz: es war der AMAZONAS. Hier trafen Realität und Illusion aufeinander: Schönster unberührter Urwald, der Heimat für eine Handvoll Einheimische ist, die auch die Besitzer des Landes sind, und gleich daneben die Bohrvorrichtungen auf der Suche nach Erdöl. Denn das Recht der Ureinwohner hört unter der Erdoberfläche auf. Konzerne müssen zwar um Genehmigung anfragen, aber ein Nein konnte sofort von politischer Seite widerrufen werden. Alles für den Profit. Daran konnte auch eine UNESCO-Plakette nichts ändern (seit 1979). Der Yasuni Nationalpark ist für seine Artenvielfalt bekannt und besteht aus Tierra firme, Várzea (saisonale geflutetes Land) und Igapó (immergrüner Überschwemmungswald).

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Das Rinnsal, der uns tiefer und tiefer in die Tropen führte, öffnete sich nach ca einem Kilometer in die Garzacocha Lagune, an derem anderen Ende die Lodge thronte. Es war bereits 16:00 als wir endlich ankamen.
Als Betthupferl gab es eine kleine Ausfahrt mit dem Kanu.

 

 

Ich sichtete verspielte Totenkopfaffen, von denen manche ihre Jungen Huckepack trugen während sie von Ast zu Ast sprangen und die funkelnden Augen eines Spitzkrokodils.

In der Zwischenzeit hatte ein prächtiger rosa Sonnenuntergang mit einem strahlenden Sternenhimmel den Platz getauscht.

Mein Bungalow war die Hälfte eines Sechseck aus luftigem Bambus mit weiten großen Fenstern und eine Terrasse zum See hinaus. Ich schlief einen dünnen Schlaf unter einem Himmelbett und einem wild rauschenden Ventilator, den ich irgendwann im Halbdusel ausknippsen musste (dabei erinnert mich Ventilatorsausen immer an Sri Lanka). Draußen erhob im Wechsel irgendeins der nachtaktiven Fauna ihr Konzert um schließlich gegen 05:00 (als ob sie es mit den Guids abgesprochen hätten) den roten Brüllaffen und ihrem sirenenartigen Getöse die Bühne zu überlassen! Ein solches Geheule hab ich noch nie gehört! Enttäuschend war die Begegnung mit den Affen, die so einen Krach verbreiteten, dass man den Eindruck hatte eine Horde Gespenster falle über einen her, dabei sind es paar mittelgroße scheue Baumaffen, keine fünf Meter großen KingKongs! An alle, die sich beklagen, mein Lachen sei so laut, es erschrecke andere, ihr könnt froh sein, dass ich kein Brüllaffe bin!

Den Vormittag verbrachte ich in Begleitung von Luis und eines Einheimischen, Jose, im Inneren des Waldes. Die Bäume hier sind schmal und hoch, das Leben spielt sich in den Baumwipfeln oder im schattigen Dickicht ab. Jose hatte Augen wie ein Adler! Er sah Camouflage- Frösche, die erst beim dritten Mal scharf hinsehen als Tier zu erkennen waren ansonsten perfekt mit dem Hintergrund welker Blätter verschmolzen, oder winzige giftige Frösche zwischen zwei Blättern.

Er konnte auch Fährten lesen, zeigte uns Abdrücke von Rehen und… PUMAS! Die Wahrscheinlichkeit einen Puma anheim zu werden, ging jedoch gegen Null. Selbst Jose hatte in seinen 60 Jahren im Dschungel nur zweimal einen gesehen. Genauso gering war die Chance auf eine der anderen hier heimischen Wildkatzen, Jaguar, Ozelot. Der Amazonas beherbergte auch Boa constrictor, aber die schlängeln sich, in der Hoffnung auf einen Affen, den sie in den Schwitzkasten nehmen konnten, auch in den Baumwipfeln herum und waren nie am Boden zu finden.

Am Abend strotzte ich einmal mehr meiner Angst vor Treppen, durch die man hindurch sah, und bestieg den 40 Meter hohen Aussichtstturm, von dem ich, endlich, einen Blick auf zwei Tukane erhaschte, einer ganz bunt gestreift und der andere schwarz-weiß. Ein Rudel Kapuzineraffen hantelte sich unter uns fort und abermals war der Sonnenuntergang hier ein rosa-oranges Farbspiel!

Am zweiten Tag wurde meine Ein-Frau-Gruppe um vier weitere Frauen, eine amerikanische Oma-Enkelin-Truppe, ergänzt und ich hatte viel Spaß mit ihnen. Sam, die dreizehnjährige nutzte meinen Arm als Leinwand für ihre Henna-Kunst zur Hilfenahme einer Nuss, die rote Kerne enthielt. Wir beobachteten hunderte von Papageien bei ihrer täglichen Mineral-Substitution an einem Ton-Hang, wo sie wie an einer Bar zur Happy-Hour anstanden um Ton zu knabbern.

Ein sensationneller Anblick diverser Papageinsorte, deren Farbpracht sich erst im Flug zeigte. Den Vormittag verbrachte wir im Anschluss in einem kleinen Dorf von Einheimischen/ Ureinwohnern (eine Gruppe der Waorani, drei andere verweigern jeglichen Kontakt zu Außenstehenden), die uns ihre Lebensweise, den vielfältigen Garten und Jagd zeigten. Sie lebten in Kleinfamilien entlang des Napo mehrheitlich von dem, was sie ernteten und jagten, ohne Elektrizität und fließend Wasser. Es gab eine Volksschule und ein Gemeindezentrum. Aktuell versuchten sie Fuß im Tourismus zu fassen, indem sie Bungalows in ihrem Dorf vermieteten. Für medizinische Angelegenheiten gab es einen Schamanen, eines seiner Praktiken wurde an mir ausprobiert: mit einem Strauß Blätter flatterte die Einheimische um mich herum und vertrieb Erbrechen und Diarrhoe. Hervorragend, vielleicht half es vorbeugend? Eventuell wirkt es bei Logorrhoe? Nicht dass mir damit geholfen wäre, aber vielen anderen..

Wir schnupperten an diversen Kräutern, frischer Gelbwurzel und Ingwer und probierten Kakaobohnen frisch vom Baum und vieles andere Umbenennbare.
Schließlich gingen wir auf die Jagd (nach aufgespießten Papayas) mit Giftpfeilen (diese waren üblicherweise mit Curare, einem Gift, benetzt und zum Spitzen der Pfeile wird der Unterkiefer von Piranhas verwendet).

Die Papayas entkamen mir. Eine gewisse Präzision wurde durch ein misserables Lungenvolumen annihiliert! Mich auf Jagd zu schicken, bedeutete zu verhungern,denn vor mir ist alles sicher, was weiter als zehn Meter weg ist.
Bei der Herausforderung gegrillte Käfer, eine Delikatesse, zu essen, passte ich, aß dafür lieber zwei Chilischoten.

Zur Abkühlung gönnte ich mir, nach einigem hin und her, ob es so doll ist in einem See voller Piranhas, Krokodile und Anacondas zu schwimmen, ein kurzes Bad. Ich wurde weder angeknabbert noch anderswie bedroht. Laut Luis seien die Piranhas hier stets gut gefüttert und die Krokodile nicht aggressiv.

Um das Abenteuer Regenwald rund zu machen, gerieten wir am Nachmittag nach einer Wanderung und einer anschließenden Kanufahrt in ein heftiges tropisches Gewitter, das Luis voraussagte und vorsorglich Ponjos austeilte, aber wie herrlich war es mich von Regen duschen zu lassen, das sich Kübelweise vom pechschwarzem Himmel ergoss? Ich ersparte mir die ersten Minuten in der darauffolgenden Dusche und konnte gleich zum Shampoo übergehen! Effizienz nennt man das!

Während Galapagos dem Paradies ähnelte, war der Amazonas mystisch und fern ab der mir bekannten Welt.
Im geschäftigen Quito anzukommen war wie der Sturz aus traumhapperten Schlaf auf den kalten Boden der Realität.

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