Beflügelt, Gelebtes

Deeda mit neuem Rucksack

2018 fiel der Facharztprüfung zum Opfer, in so ziemlich allen Belangen (Beweis Nr 1. Pudding-Triceps). Also auch keine Reise (nein, Sri Lanka ist definitionsgemäß keine Reise, es gab aber auch schöne Momente: Kalutara, Matara . Es ist mehr Bestrafung auf freiwilliger Basis).

Wohin mit mir? Weit weg bitte. Ja, ich bin mir meines ökologischen Fußabdrucks bewusst, aber ich schmeiß’ auch keine Tschick in den See und kauf’ geschälte Banane im Plastik.

Lateinamerika soll es werden. Isabelle Allende die Hand schütteln, war der Plan. Aber wir kennen mittlerweile meine Theorie zu Plänen, das wird fix nix!

Die zweite Wahl war Ecuador. Bereits 2010 war der Reiseführer gekauft, aber einmal aufs Konto gesehen, kringelten sich mir die Zehennägel bei der Vorstellung, ich müsste davor und danach von Knorr Pasta aus der Tüte leben (als 20jährige verstand ich mich als Köchin, als ich so die Pasta servierte und dachte mir nichts dabei, dass alles gleich schmeckte. Ich verbrannte mir regelmäßig die Zunge, wahrscheinlich der Grund, dass ich das Zeug so lange “genoss”)

Aber heuer… Neuer Rucksack, neues Gefühl der Leichtigkeit. So viel Neuluft, ich wurde wohl wahnsinnig: ich kaufte, nicht nur eine-Nein zwei, Outdoorhosen. Ich machte sonst, wie auch um haute couture Läden, einen weiten Bogen um Sportgeschäfte. Dementsprechend absurd kam ich mir vor. Moi in einer wind-und wasserfesten (ein Konzept, das ich ausschließlich auf Gummistiefel anzuwenden verstand) Hose und Trekkingschuhen. Es fühlte sich falsch an. War das Integration? Was folgte als nächstes? Eine Mitgliedschaft beim Alpenverein?

Vorsichtige Annäherung

Aber verdammt, die Hose(n) war(en) gemütlich! Es kann natürlich auch eine, dem schwindelerregenden Preis und dem durch die vielen Etiketten (dass man gut und gerne eine Bedienungsanleitung daraus hätte machen können) hervorgerufenen Eindruck ein Hightech- Gerät am Hintern zu haben geschuldete, kognitive Verzerrung sein.

Wie bereits erwähnt, ich war zurückhaltend beim Betreten diverser Sportgeschäfte, ich hatte in Innsbruck keine gute Erfahrung gemacht. Liebe Leute, man kann es auch übertreiben (nicht nur bei den Preisen): snob is a snob. Ob ihr nun Chanel oder Ortovox trägt. Ich wurde mit hochgezogenen Augenbrauen betrachtet, als ich sehr konkret nach einem eaglecreek Kofferrucksack fragte. Welch Sakrileg im Land der Trekkingrucksäcke! Zitat: “sowas werdens in ganz Innsbruck nicht finden.” Echt jetzt? Also Kundenfreundlichkeit hörte bei der Nordkette auf? Sehr enger Tellerrand! Ich versuchte es bei Gramshammer, ich betone das, weil sie super sind. Sieh an, ein Kofferrucksack. In. INNSBRUCK. Und die Nordkette hat all ihre Zacken behalten!

Ich musste meinen zwar dennoch online kaufen, aber ich ging zum Gramshammer um Schuhe zu besorgen. Keine Spur von Überheblichkeit ob meiner doch unartikulierten Vorstellungen von einem Schuh, der ohne eingetragen zu werden, nicht weh tun durfte. Herst, ich war halt doch eine Prinzessin! Der Verkäufer sah mich schmunzelnd an, “na a bissl musst schon darin gehen.” ‘a bissl’ ließ sich akzeptieren. Die Bequemlichkeit hatte auch hier ihren Preis, aber ja der Schuh war super (und wir kennen meinen Griff zu falschem Schuhwerk). Nicht unbedingt einer, auf den ich optisch die Aufmerksamkeit lenken würde, aber es gab die eierlegende Wollmilchsau auch in der Sektion Wanderschuh nicht.

Eine Lovestory?

Ecuador sollte etwas abwechslungsreicher werden, ich musste also überlegter packen und der Rucksack war deutlich kleiner. Mit fast 36 trug ich so schon genug Belast mit mir rum. Iran bewältigte ich mit 7 Blusen und drei Hosen. Ich ging von ähnlicher Anonymität in Ecuador aus, da war niemand, dem zu gefallen mein Ziel sein sollte. Die Klamotten wurde dem Gesichtspunkt “quick dry” anlehnend ausgewählt.

Note to myself – Dinge, die man im Winter unterlassen sollte:
  • an Metal schlecken
  • versuchen einen Badeanzug zu erstehen (es gibt zwei Modelle: Papagei meets Swarovski oder die superstraffe Sportvariante)

Wer hätte bei all der Vorbereitung fast verschwitzt, dass Ecuador ein Gelbfieber- Land ist und wem blieb der Groschen bei der Vorstellung vom feuchten Amazonas bezüglich Malaria kleben?

Selten war eine Reiseapotheke so reich gefüllt wie bei diesem Trip. Wirklich Bedenken hatte ich nur wegen der Höhe und meinem Unvermögen zur Adaptation.


Amsterdam, New King Mandarin Restaurant:

Mit nur zwei Drageekeksi und 3 1/2 Kaffee im Bauch hat man in mir einen ganz üblen Gegner! Zweimal wird meine Kreditkarte im Hotel abgelehnt. Wie sich nach zehn Minuten in der Warteschleife (ich wiederhole, HUNGRIGE Dee) herausstellt, wurde aus Sicherheitsgründen meine Karte heute gesperrt. Grandios. Ich wollte morgen eh nur kurz nach Ecuador. Nix dabei!! Parteienverkehr ist ja Montag wieder!

Nach fünf Bissen hervorragend scharfer Melanzani und Aufschwung aus der Hypoglykämie, bin ich wieder ich selbst. (ganz wie in der Snickers Werbung) Was wäre eine Reise ohne Schlamassel? Vor Belize habe ich mir am Flughafen den Knöchel verrenkt. In Jordanien dachte ich, von Beduinen entführt zu werden. In Korea saß ich in einem Bus, von dem ich nicht so ganz genau wusste, wohin er fuhr und auch noch wegen Starkregen Haltestellen ausließ.

Ein solcher Abend verlangt nach einem Delirium Tremens- Bier..

 

.. Auf dass ich heute schlafen kann und keine Woodoo-Zauber auf Cardcomplete initiiere..

Meine Fußabdrücke online:

https://findpenguins.com/3iqpkzaujfvux/trip/5c34ee69460323-41973833?s=e8c21b21d0d9b640c39742e5820fd6f26337dd1c

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