Entfaltet

Noise cancelling 2018

Oft genug kommt man im Leben an einen Punkt, da ist Hilfe von außen angebracht. Bei mir war dieser erreicht, als ich bei einem Konzert einer Coverband zu weinen begann. Das noch nicht mal, weil sie so schlecht gewesen wären oder mir ein Tanzwütiger auf den Fuß trat.

Viele von uns haben dem dunklen Fleck in uns den einen oder anderen Besuch abgestattet, sich von seiner betäubenden Traurigkeit überwältigen lassen und ein Stück weiter darin verloren. Es ist gut diesen Raum zu kennen, vor allem aber den Weg wieder heraus.

Advent in Rattenberg

Manchmal ist es eine Episode, ein “end of year” blues, ein Rekapitulieren der Adams’schen Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens

It was a joke. It had to be a number, an ordinary, smallish number, and I chose that one. Binary representations, base 13, Tibetan monks are all complete nonsense. I sat on my desk, stared in to the garden and thought 42 will do. I typed it out. End of story.

Es ist die rote Wut der Ohnmacht über unsere Welt. Manchmal ist es der Druck des Inneren, Veränderungen ihren Platz zu lassen. Denn sie passieren, ob ich mich ihnen verweigere oder nicht.
Wenn man mutig genug ist, sucht man sich professionelle Hilfe, die ein wenig den Weg mitgeht.

Bei mir ist der “dunkle Fleck” gefüllt mit Zweifel, Kritik, Pessimismus und dutzenden Fragezeichen. Ich bin mein härtester Kritiker und ich habe viel zu kritisieren bei all den Fehlern/Dummheiten, die ich mache.

Aber was ich gar nicht bin, weswegen ich mich betrog, ist gut zu mir.
Deswegen fällt es mir so verdammt schwer mir selbst einen Liebesbrief zu schreiben. (Könnt ihr das?)

Das war der Auftrag, “Schreib Dir einen Liebesbrief.”
Mir? Was war ich für mich? Wofür schätzte ich mich? Was waren denn meine liebenswerten Eigenschaften? Und schließlich die ultimative Frage, auf die all die kleinen Fragen hinauslaufen: Liebte ich mich?
Wie absurd ist es doch, mit 36 einige Liebesbriefe und ein Buch voll -Gedichte und – Geschichten verfasst zu haben, weil ich in Begeisterung für jemanden meine Muse fand, aber nicht in der Lage zu sein, in mir selbst die Quell’ zu finden.

Ich schob die Aufgabe auf. Es war kein Flanieren auf mit bunten Murmeln besetzten Wegen in einem Garten der Selbstbeweihräucherung. Es war ein sich- ducken vor Komplimenten und dankbarem Nicken wenn man mich tadelte.

Jemand erklärte mir mal ganz frei nach Erich Fromm (Die Kunst zu lieben sollte jeder gelesen haben)

Nur wer sich selbst liebt und akzeptiert, kann dies für andere tun.

Hatte da wer einen wunden Punkt getroffen? Vielleicht.

Ja, ich musste noch einiges lernen in Sachen Selbstliebe, aber ich mache das wett mit Verständnis um Individualität, Freiheit und Selbstbestimmung. Alles Dinge, für die ich kämpfe seit ich das Lügen beherrsche wie ein Politiker! Lügen zur Selbstverwirklichung.

Veränderung nahm ich zum Anlass davonzulaufen und die teilweise entzogene Wertschätzung bei neuen Menschen zu finden. Ich musste erst eingekesselt werden von Bergen um zu begreifen, dass ich etwas Wesentliches nicht los wurde: Mich und meine Unzufriedenheit mit mir selbst.
Die Zeit war reif, mir selbst zu vergeben für all das, was ich dachte sein zu müssen, aber nicht fertigbrachte. Sie war überreif dem schlechten Gewissen Adieu zu sagen.

Dieses Jahr war ein Jahr der Anstrengung, die sich bezahlt machten.
Ein Jahr, in dem ich nicht nur nah dem Wasser gebaut war, sondern tief darin.
Ein Jahr beruflicher Herausforderungen, die nicht durch Weglaufen gelöst werden können.
Ein Jahr, in dem Freunde zu Familie wurden und der Gewissheit, dass ich für sie kämpfen würde wie eine Löwin.
Das Jahr, in dem Greta in unser Leben schlüpfte und uns verzauberte.

Ein Jahr der Frauen, die in ihrer Ausstrahlung, Auftreten und Schönheit manche wortlos machten.
Ein Jahr großer Liebe, die einfach ist.
Ein Jahr in dem mir klar wurde, wie sehr die Welt leidet und dass ich Teil der Ausbeuter bin, dass wir geschlagen sind von Wohlstandsblindheit und ich mich irgendwie frei machen muss.

Und schließlich:
Ein Jahr, das ein weiteres Kapitel im Sachen Selbsterkenntnis aufschlug.

Barcelona

Auch heuer dient ein endendes Jahr nicht für faule Kompromisse und halbe Vorsätze, aber es lichtet sich einmal mehr der Nebel (und ich wandere durch Alleen dichter Nebelschwaden)

Es war das letzte Jahr, das ich damit verschwendete mich zu vernachlässigen um es anderen Recht zu machen um ja nicht in deren Achtung zu fallen.

Es kommt ein Jahr, das frei ist von falscher Liebe aber echter Zuneigung und Hingabe, Mut und Courage für den Kampf um ein gutes Geneinsames Raum macht.

Um mit Douglas Adams “It was a joke” abzuschließen:
Das Leben ist ein Witz, wer nicht versteht über sich und seine Irrwege und Zufälligkeit etappenweise zu lachen, weil alles so ernst genommen wird, ist ein Tor.

Prost!

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