Beflügelt

Salam Alaikum Amman

Seit einigen Stunden befinde ich mich im “Urlaub“ in Jordanien. Mein Kopf, überhaupt mein gesamtes System braucht diese Zeit um nachzudenken, einwirken zu lassen und zu verdauen, was alles bis hierher geschehen ist.

Ich befinde mich mitten in der Altstadt von Amman. Habe mich in ein kleines Hotel eingebucht und genieße es mitten drin zu sein. Jetzt bin ich wieder Tourist.

Der Flair hier ist ein ganz anderer als in Libanon. Woran das liegt? Kann ich noch nicht sagen, eine Vermutung ist, dass hier weit mehr Ausländer leben. Und… man mag es nicht glauben, viele Srilankis! Ich muss glatt lachen und freute mich paar Fetzen Singhalesisch aufschnappen zu können.

Das Hotel- Taxi holte mich vom Flughafen ab und auf der Fahrt versuchte ich beeindruckt dem völlig verzerrten Englisch und den Flirtversuchen des Fahrers zu entkommen. “I interest you Amman? Good Sri Lanka?” Irgendwann fragte er “what happen to you?“ Armer Kerl, ich runzelte die Stirn, lächelte und wiegte meinen Kopf, ich wollte auf keinen Fall nicken, wer weiß was er gemeint hatte und am Ende hätte ich eingewilligt ihn zu heiraten!

(Irgendwas muss an mir liegen, dass entweder die Käuze oder die alten Herren mit mir flirten. Gestern reichte mir ein adretter Herr in Beirut seine Visitenkarte, allein an dieser Geste lässt sich sein Alter schon schätzen.)

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In den ersten Stunden in Amman saß ich unter einem Himmel von bunten Regenschirmen und genoss Hummus und Fate.

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Anschließend ließ ich mich von der Menge durch die King Faisal Street tragen. Ich ließ einfach alles auf mich wirken, die Leute, das Gewusel und die vielen Nationalitäten. Ich beobachte eine Jungsgruppe auf Skates, die versuchten sich an das Heck vorbeifahrender Taxis zu hängen, einer von den armen Wichten hatte nur einen skate am Fuß, am anderen trug er einen Flipflop. Fehlte ihm das Geld für den zweiten Skate oder war dass die Einstandsprüfung für die Skatesgang?

Das Leben in downton ist überschäumend! Wer Ruhe und Besinnlichkeit sucht, ist hier definitiv am Holzweg.
Es summt, es plärt arabische Musik, es schrillen die Hupen und es liegt der schwere süße Duft von Argileh, Zuckerrübensaft und billigen selbst-alchimierten Parfum in der Luft.

Platzangst und die Souks gehen nicht gut zusammen. Hier werden sämtliche Sinne benötigt um nicht den Fluss zu stören. Außer mir weiß jeder, was er im Souk sucht, wer kommt denn in den Souk um zu schauen und zu riechen?? Ich. Bunte Stoffbahnen, die die engen Pfade in Farbe tauchen, hängen tief und halten Bananenstauden, nackte Glühbirnen geben dem rot der Granatapfel sinnliche Wirkung. Es geht ein belebender Duft von den Säcken voll Gewürzen aus, dass ich am liebsten überall meine Nase hineingesteckt wollte!

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Die älteste Moschee (nicht mehr in der heutigen Version, diese besteht erst seit 1932), Al Husseini Mosque, Jordaniens steht im Zentrum dieses Trubels.
Ich habe das Glück nicht nur einen Blick hinein werfen zu dürfen sondern eine Führung von einem alten Schuldirektor zu bekommen. Ich war so weise, meinen Schal mitzunehmen um als Frau eintreten zu dürfen.

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Das ist das zweite Mal, dass ich eine Moschee betrete, aber diese Pracht ist einmalig. Die Böden sind mit weichen grünen und roten Teppichen überzogen, in den Fenstern glitzern bunte Glasmosaike und goldene Lampen hängen von der Decke. An den Fensterbänken stehen ledergebundene Korane mit goldenem Aufdruck.

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Innerhalb der Arkaden steht ein kleiner Pavillon in verschiedenen grün-und Blautönen, der einen Brunnen beschützt.
Es herrscht rege Geschäftigkeit, da nach dem gestrigen Freitagsgebet alles wieder auf Hochglanz gebracht wird.
Ich war erst sehr scheu, als Frau überhaupt um Einlass zu bitten, aber es waren alle sehr freundlich!

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Die Moschee ist nur unweit entfernt vom Amphitheater, das einen beeindruckenden Blick über die Hügel Ammans erhaschen lässt.
Ich klettere die steilen Treppen hinauf um zu erfahren wie das ist so hoch oben zu sitzen. (Erinnerungen an Verona und die Freiluftoper kommen da auf)

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Eben sitze ich auf der Terrasse des alten Eco Tourism Cafés mit Blick und Gehör über der King faisal Street direkt unter der srilankischen Flagge, (darunter die koreanische). Das Leben ist voller Zufälle.

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Bevor ich mich meinem Mittagsschläfchen widme und mich auf indisches Curry freue, schnuppere ich noch in den Duke’s Diwan, einem alten Steinhaus. Das Haus ist ein architektonisch wunderschönes Juwel, das den Augen ein bisschen wohl tut bei all den umgebenden Blockbauten, die an Lego-Häuser erinnern, aber nur nicht so bunt sind.
Diwan steht im Arabischen für jenen Teil des Hauses, der für Besucher offen steht.

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Es sind kleine Räume, die ich durch türkis gestrichene Türbögen betrete und voll gepackt sind mit Büchern und Kunstwerken.

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Ich werde von Mohammed begrüßt, einem mittelalterlichen Mann, dessen Lächeln durch die vielen fehlenden Zähne einen schmunzeln lässt, er bereitet Tee für die Besucher zu, aber außer mir trinkt keiner eine Tasse mit ihm. Er spricht zu mir über Jerusalem und Bethlehem, ich verstehe kaum was, aber ich sehe ihm an, dass es ihm an Gesprächspartnern mangelt. Er zeigt mir die Räume und erklärt im gebrochenen Englisch, während er seinen lahmen rechten Arm hält.

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