Beflügelt

Jacke wie Hose

Ich habe meinen Rucksack ja sehr ans Herz geschlossen, aber ich glaube, auch er sieht sich vor einer Grenze: 20kg zu schlucken ohne, dass eine Naht daran glauben muss. Ob ich 20kg schultern kann? Die Frage stelle ich mir (noch) nicht. Es muss gehen. Ein Rucksack ist noch immer etwas handlicher als ein Koffer, den krieg ich fix nicht gewuchtet.
Aber ich halte mir alles offen.. Rucksack wie Koffer.

So unglaublich es klingt, Schuhe und Handtaschen sind nicht das Problem! Ich nehme nur EINE Handtasche mit! Ja, der helle Wahnsinn. Noch dazu ist es die altersblankste (interessantes Wort, nicht wahr?), die ich finden konnte. Um mich an diese Bindung zu gewöhnen, habe ich sie derzeit im Gebrauch. Hoffentlich geht sie mir nicht vorzeitig ein.
Wie pack ich für sechs Monate? Reicht Wäsche für zwei Monate bei vorhandener Waschmöglichkeit (ob Waschmaschine oder Waschen im Kübel am Fluss weiß ich bis dato nicht)?
Welche Farben? Gibt es welche, die im Islam verboten sind?
Um mögliche Dekolleté- Fettnäpfchen zu vermeiden, haben BHs Reiseverbot bei mir. Ha, jetzt kann ich so einige an die Backen klatschende Hände und ein Kanon an schockierten “Himmel Halleluja”s hören!
                      Don’t get your knickers in a twist!
In meinem Gepäck finden sich so sexy Teile wie (Großteils) weiße Oma-Hipsters und Sport-BHs, die ich mir extra für diese Gelegenheit bestellt habe, denn der eine, der bereits in meinem Besitz war (soviel zu dem Gerücht, ich sei unsportlich!), der fristete ein sehr verstaubtes Dasein, aber es leisteten ihm meine Dessous gute Gesellschaft, sie lachen sich scheckig!
So genug zu meinen Schlüpfer.

Nicht, dass es nicht eh logisch ist, aber Eitelkeit ist fehl am Platz. Was das packen enorm einfach macht, eigentlich. Aber wie sich herausstellt habe ich gar nicht so viele T-shirts, die tauglich sind. Meine Kleidung ist ein Flittchen! (aus einem islamischen Gesichtspunkt betrachtet)

Eine Eitelkeit erlaube ich mir aber… Mascara.
Meine Augen verdanken ihren trantütigen Ausdruck den – 5dpt-korrigierenden Glas, ohne dem ich zwar schöne aber dafür ständig ein blaues Auge hätte.

Ich bin gespannt wie dieser Rucksack vs Koffer Kampf ausgehen wird.


Um genügend auf die Fremde vorbereitet zu sein, ist ein tropenmedizinischer Kurs verpflichtend. Die Fremde ist mannigfaltig, so auch die Auswahl an Kursen. Ich entschied mich für die meinem Geldbeutel zugeschnittenen Variante: 2 Wochenenden in Düsseldorf. Ich werde zwar kein Experte in Sachen Leishmaniose werden aber bissl was darf ich anschließend klugschwätzen.
Das erste Wochenende war im Mai und ich die einzige aus dem Ausland zugereiste Teilnehmerin und ich lernte als ALLER erstes, NIE wieder Wasser in Sri Lanka zu trinken. Dabei war ich im Jänner noch mächtig stolz, dass ich Leitungswasser trinken konnte ohne sofort an blutigem Durchfall zu verenden! Tatsächlich aber muss ich mir nach dem Vortrag über Wasserhygiene eingestehen, dass ich wohl Klowasser getrunken habe, da es so ein ausgeklügeltes Wasserversorgungssystem wie hier im Westen in Sri Lanka lange noch nicht existiert. Bis vor paar Jahren gab es noch offene Kanalisationen.
Und da Sri Lanka auch ESBL-kontaminiert (ich verwende jetzt mit Absicht nicht das Wort “durchseucht”, klingt stets gleich nach SARS oder einer anderen menschenfressenden Krankheit) ist, war ich auch schon mit dem in Kontakt gekommen ohne schwer zu erkranken oder wen anzustecken.
Diese kurze Info gilt für alle, die Sri Lanka-naiv sind. Für mich ist Sri Lanka nicht fremd- nicht in allen Belangen, sagen wir mal so.

Der nächste Kurs findet im Juni statt und ab da darf und kann ich euch gerne über Reisemedizin informieren, aber es sei gesagt für Jesolo und Lignano gibt es nur einen Rat: “Ganz sicher?! Ernsthaft? Schlaf nochmal drüber!”

trennlinievhfl

Ich hatte in der fälschlichen Annahme noch mindestens den ganzen Sommer für mich zu haben, ganz gemütlich begonnen das Kinderzimmer auseinander zu nehmen um es a) neu zu gestalten, b) den alten Mief zu verjagen, c) meiner Mom eine lichtdurchflutete Schneiderecke zu gestalten und d) (!!!) meine 781 Bücher unterzubringen.
Hätte ich gewusst, dass ich eine Woche später mich geistig schon auf ein neues Abenteuer gefasst machen muss, dann hätte ich den alten Mief weiter reifen lassen.
Leider sah es dann aber schon wie in der Stadtbibliothek von Matara bei Inventur aus: Die Bücher türmten sich allen Gesetzen der Statik revoltierend der Wohnzimmerwände entlang in schwindlige Höhen. Meiner Ignoranz der Physik gegenüber sollte Vergeltung widerfahren, als ich begann die Bücher von den Türmen zu nehmen und wie bei Jenga gleich beim ersten Stein/Buch alles zum Einsturz brachte und meine Füße schmerzhaft mit lautem Krachen und Gejaule meinerseits unter zehn Kilo Bücher begrub.
Ich verstehe jetzt auch warum am Bau geflucht wird! Andernfalls würde man die Wandfarbe samt Kanister gegen die Wand werfen und es unter Expressionistischer (der Definition zu Folge war nicht die wirklichkeitsgetreue Weitergabe von Eindrücken und schöne Formen wichtig; sondern der Ausdruck subjektiver Regungen, sozusagen die impulsive Kunst!) Freiheit verbuchen.
So schimpfte und ächzte ich mich abwechselnd von Regallackieren zu Wandstreichen und Bekleben und bereute meinen Elan zur Kreativität und Individualität. Ikea hätte es auch getan. Als Allegorie für meine Gefühle für alle, denen Bilder mehr sagen als 1000 Worte, würde ich Munchs “Der Schrei” wählen.

Das Endresultat lässt sich aber sehen und alle Zeichen des Büchersturzes zu Velden waren beseitigt bevor der erste Besucher die Wohnung betreten durfte!

Sollte das mit Medizin doch die falsche Wahl gewesen sein, ich werde auf Innenarchitektur umsatteln. Aber davor muss ich mich in Gepflogenheiten und zivilisiertem Ausdruck üben.

Der Schrei

Lange habe ich gewartet um heute endlich den Wörthersee zu beschwimmen!
Viel gibt es dazu nicht zu sagen. Wir sind gesegnet, dass wir seit unseren ersten erfolgreichen Versuchen dem Ertrinkungstod zu entkommen in der Villa Christa uns schrumplige Finger holen und neueste Unterwassertricks beibringen durften. Unsere Mutter saß die ersten Male mit angstverzerrtem Gesicht am Strand und hatte es nicht aufgegeben uns auch noch mit zehn Jahren über den Segen von Schwimmflügerl aufzuklären!
Das ist und bleibt mein Lieblingsfleck am Wörthersee.

view from the Pyramidenkogel
Der Wörthersee vom Pyramidenkogel
Villa Christa
Villa Christa

Tee Trennlinie Kopie

Setzen wir dort wieder an, wo ich aufgehört habe. Bei der Unterhose. Es ist aber tatsächlich weniger die Unterhose als die Bekleidung an sich. Der Stapel an Wunschmenge Wäsche ist überschaubar groß, sogar so klein, dass ich ihn auf zwei Armen tragen könnte. Ich bin stolz auf mich.
Um zur Unterhose (wir werden wohl so bald nicht davon wegkommen, befürchte ich) zurück zu kommen, ich habe unter Zurhilfenahme der Ausschlusskriterien, Spitze, Löcher, sexy, Nicht-Baumwolle, genau 48 taugliche Teile. Der guten Laune für unten drunter zu liebe ist die Mickey-Maus- und die Eulen-Slip natürlich ein “key piece”.
Besonders stolz bin ich über meine Entwicklung im Toiletbag-Packen (auch Kulturtasche genannt, wobei bei mir ja weit mehr Toilet als Kultur zu finden ist, wo dieser deutsche Begriff wohl wieder herkommt? Ahhh…Idee: aus der Mikrobiologie nämlich! Lässt man verschieden Substanzen in diversen Aggregatzuständen nur lang genug auf einem schlecht durchlüftet Medium verharren, welches immer wieder in Kontakt mit der menschlichen Haut kommt, entwickelt sich da auf diesem Medium mit der Zeit eine “Kultur”. Gschmakig!). Habe ich früher noch wahllos in die Tasche geworfen, was in meinen Augen unverzichtbar war: 2 verschiedene Shampoos PLUS Conditioner- wer braucht denn so was?, Duschgel, Makeupentferner, Creme, Lotion, Wattestäbchen, Rasierer, Deo,Parfum etc etc. Da wog das Ding schon mal schnell drei kg, bin ich heute mega-organisiert, gewappnet gegen das Ausrinnen und praktikabel da zu faul zum tragen. Ich schwöre auf Seife, für Haut und Haar, Mineral-Deo-Stein und abwaschbares Mascara (ein Hoch auf die Kosmetikindustrie, ich benötige nur 39°C warmes Wasser, ich muss jetzt noch herausfinden, wie warm das genau ist..). Das einzige Zugeständnis: zweierlei Gesichtscreme, ich werde ja schon alt. Da tut es die Nivea Soft alleine nimmer.
Was den Rasierer angeht habe ich lange überlegt, rational betrachtet, wird außer mir niemand meine Beine zu sehen bekommen, nicht in der Öffentlichkeit zumindest. Wer die anderen 4 Mitbewohner sind, weiß ich zwar nicht, aber bestimmt sind sie Körperbehaarung gewöhnt. Aber ich kann mich nicht an den Gedanken gewöhnen, eventuell bei Rückkehr so lange Haare zu haben, dass ich außer am Kopf Zöpfe flechten könnte, und ehrlich gesagt habe ich Angst vor Achselhaar (kaum ist die Rede von Achselhaar, ist der neueste Instagram-Trend eben dieses. So was geht auch nur in Hollywood.)20150613_170253[1]

Nur wenige Stunden sind seit der haarigen Abhandlung vergangen, schon ist der Rucksack (Der Koffer hatte nie eine ernstzunehmende Chance) gepackt und verschlossen. Ich habe gut auf die Nähte eingeredet, sie gestreichelt und sämtliche Luft aus den T-Shirts gedrückt. Wollen wir hoffen, dass alles zusammenhält. 17 Kilo und paar Gramm wiegt meine Ausrüstung für die nächsten sechs Monate. Ich kann sie sogar schultern, ohne mich einmal um meine eigene Achse zu drehen und dann auf die Nase zu fallen!

absatztrenner

Ich habe mich doch für meine Lieblingshandtasche entschieden, die hat schon so einiges mitgemacht und kommt frisch vom Lederer.
image

Nun… Morgen geht es los. Ich bin gespannt wie ein Pfitschipfeil!

Quellen:

Trennlinien:
http://drueberunddrunter.blogspot.co.at/2012_02_01_archive.html
https://mspour.wordpress.com/2012/07/12/morgen-feriencamp-fehler-o-o-eine-frage-trennlinie/
http://papiliomaackii.blogspot.co.at/2013/12/teewanderpaket-gewinners.html
http://www.xn--ich-liebe-gttingen-n3b.de/galerie.php

Der Schrei: http://munchmuseet.no/munch
Hennen: http://dieter-dubinsky.de.tl/Lustig-Bilder/pic-99.htm
Moustache:
http://kyliesaur.deviantart.com/art/My-Minimalist-Moustache-177977196


DeedamitRucksack

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