Entfaltet, Gelebtes

Ein neues Kapitel (all denen gewidmet, die mein süßer Strauss Blumen in Wien waren)

Mein Rucksack und ich.

Wir haben uns wieder auf den Weg gemacht. Wohin ist nicht ganz klar. Der Zwischenstop dafür schon: Velden am Wörthersee. Zu den Ursprüngen wenn man so will.
Dabei mag ich Abschiede nicht. Damit kann ich genauso wenig umgehen wie mit Verlusten und Trennungen.
Diese drei Dinge will mir mein Leben aber anscheinend auf Biegen und Brechen lehren und wenn ich mich noch so sehr sträube, dann kommt es beim nächsten mal umso dicker.

Wie ein gutes Buch besteht auch das Leben aus vielen Kapitel, manchmal enden sie früher und eher als es einem recht ist. Aber Kapitel sind wichtig.
Nichts ist schlimmer als ein Buch, das in einer langen Wurst ohne Absatz dahin geht. Da kommt schnell der Eindruck auf, der Autor hätte Angst um seine Leser, die er verlieren würde, würden sie eine Gelegenheit bekommen das Buch weg zu legen um aufs Klo zu gehen um dann auf der Schüssel zu beschließen, dass langweilige Bücher die Zeit nicht wert sind.
Kapitel sind da um Luft zu holen, sich auszuloten und Richtung zu finden.

Die letzten paar Kapitel in meinem Buch waren eine Abfolge von Dramatik, Dummheiten und Desillusionierungen. Das Buch wegzulegen ist eine große Verführung. Aber ich müsste an Ort und Stell und genau jetzt wiedergeboren werden um ein neues Buch zu schreiben und wie wahrscheinlich wäre das? Also muss ich in meiner Geschichte bleiben. Wenn ich anhand der letzten Passagen ein Genre finden müsste, wäre es wohl eine Slapstick-Tragödie mit Hang zu Theatralik.
Eben wie bei einem guten Buch, muss auch ich über mich lachen, den Kopf schütteln und mich ernsthaft fragen: “was hab ich denn geschnupft als ich DAS für eine gute Idee hielt?!” Da sind auch viele Tränen, Seufzer und “was wäre wenn”s gewesen. Dinge, die ich so gerne anders machen würde aber eine “delete “-Taste gibt es nicht, ich kann diese Seite nicht in den Müll werfen und neu tippen.

Sieben Kisten, ein pinker Koffer, ein voller Fiat und mein guter alter Rucksack.
Wien liegt hinter mir aber ich hoffe irgendwann liegt es wieder vor mir.

Die letzten 1.5 Jahre waren voller Momente, von denen manche einzigartig und andere nur zum davon-laufen waren.
Ein nackter Mann wird mir nie wieder die Schames-Hitze auf die Wangen treiben.
Ein humorloser hingegen ist ein klassischer Dealbreaker, v.a wenn ich zu hören bekomme, ich sei ja gar nicht so langweilig. Das von jemandem, dem das Lachen auf halbem Weg im Gesicht erfriert, als ob seine Muskel nicht dafür gemacht wären. Ich war erschüttert…
So viel zu meinen ersten Erfahrungen mit Dates. Bevor ich nach Wien kam, musste ich das Wort nachschlagen und begriff es dennoch nicht aber ich war schnell belehrt. Fazit: es gibt solche, die einem den Grusel in die Fingerspitzen treiben und solche, bei denen es in den Ohren nur “mhhh mhhh mhhh” trällert.

Ich glaube noch an die Liebe, die einem Wolken unter die Füße zaubert und einen wie eine frisch eingedrehte LED-Lampe strahlen lässt. In Wien war sie nicht, aber vielleicht ist mir in dem Moment auch wieder ein Schuhband aufgegangen und er ist an mir vorbei spaziert.

Ich habe wundervolle Menschen kennengelernt und zu alt-bekannten tiefere Verbindungen geschlossen. Viele Begegnungen haben mich selbstbewusster werden lassen. Wer mein Lachen und meine Art zu laut und schräg findet, darf gerne weitergehen.

Heutzutage muss ein jeder auf der Hut sein nicht als narzisstisch zu gelten, wenn man zu sich selbst steht und den Spiegel nicht verhängen muss, damit das Bild einem den Tag nicht verhagelt. Auch auf die Gefahr hin, dass man mich für selbstverliebt halten möge: Ich mag mich. So ziemlich alles an mir.
Dieses Selbstbewusstsein und die Menschen, die mich lieb haben waren in den letzten vier Wochen lebensrettend. Dabei wurde gerade das jemanden lieben und lieb haben mir zum Verhängnis, wie immer, wenn ich es genau bedenke.

In den letzten Wochen hat es sich leichter angefühlt, nicht mehr zu wollen, zu versuchen, zu träumen. Einfach aufgeben.
Die deutsche Sprache hält viele Synonyme für das Wort “Aufgeben”  parat:
Das Feld räumen
Die Waffen strecken
Das Handtuch werfen
Die Flinte ins Korn werfen
Die Segel streichen

… Und ich war kurz davor, nein sehr nah dabei.
Aber im Endeffekt bin ich zu neugierig auf das, was kommt und wenn ich etwas aus den Sprichwörtern mitnehme, dann die Segel. Aber die, in die der Wind bläst. Selbst wenn es ein weiteres Kapitel ist, in dem mein Leben mich der Kapitulation näher bringen will, das ist keine Liebschaft, die funktionieren wird.

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Anstatt das Buch zuzuschlagen halte ich mir alles offen.
Jetzt noch mehr als beim letzten Mal.

Fliegen….

Und wenn ich für Dich fliegen muss. Und wenn ich für Dich fliegen muss.
Krieg ich das irgendwie hin. Krieg ich das irgendwie hin.
Und wenn ich für Dich fliegen muss. Und wenn ich für Dich fliegen muss.
Kriegen wir das irgendwie hin.

Ich werde weiterhin laut kreischen und lachen, wenn mir danach ist und ich freue mich auf alle, die ich damit anstecken kann.

DeedamitRucksack

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