Beflügelt, Gelebtes

Tanzbienen

Ich sitze im Bus nach Seoul, es wäre fast alles perfekt, wenn mein Fußteil funktionieren würde.
Sonst geht’s mir herrlich! Ich hab einen schrägen Musikmix, der mir Reggae und Bollywood ins Ohr bläst!

” Ke mera jiyara jiyara tarse tarse for you baby na”
(My heart longs for You)

(Gerade höre ich Kingston Town.)

Schon bei den ersten Takten von “Jiyara Jiyara” waren die Tanzbienen in meinem Po sehr aktiv! Es gibt einfach keine Musik, die mich dermaßen in gute Laune katapultiert wie Hindi Musik. Ich versteh zwar bis auf drei vier Worte rein gar nichts und meistens sind die Lyrics auch nicht sehr tiefgründig, aber vor meinem inneren Auge tanzen bunte Saris und Sharukh Khan grinst mit Hirthik Roshan um die Wette.
Das Leben ist doch oft genug stumpf und düster, es gehört viel mehr Hindi Musik gehört! Aber einem Europäer das Ohr für die hohen Stimmen, Durcheinander von verschiedenen Stilrichtungen und den Schwung zu öffnen, ist ein hartes Stück Arbeit und ich hab es versucht!
Ich frage mich, woran es liegt, das bei etwas, was mich so aufmischt und ich dafür schon mal paar Tropfen Wein verschütte, andere nur mit vor Unglauben geweiteten Augen und Kopfschütteln da sitzen. Aber dann denk ich wiederum, wenn ich Schlagermusik höre, möchte ich auch lieber zehn Meilen laufen!
Es gibt vielleicht kulturelle Vorlieben, die trotz der schärfstens betriebenen Integration einfach keinen Zugang finden, sowohl in die eine als auch in die andere Richtung.
So wie ich mich im Gymnasium immer geweigert habe, Kärntner Lieder zu singen. Nicht etwa, weil ich sie nicht mochte – gut, freiwillig gehört hab ich sie auch nicht, aber ich kam mir so absurd vor, Dialekt zu singen. Musste ich denn noch mehr auffallen, als ich es ohnehin schon tat? Ein dunkles Mädchen in der ersten Reihe des Chors, die Dialekt singt- und das in Kärnten! Wenn es mir nicht schon die regionale Politik versuchte klar zu machen, so hat es das Kärntnerlieder singen definitiv: Ich war fehl am Platz!
Arme liebe Andrea, die dazu verdonnert war, mit mir Dialektsingen zu üben!

Genau wie bei Schlager, dreht sich bei mir der Magen um, wenn meine Eltern im Auto Sinhala Schlager hören. Na das sind mal von Synthesizer überladene Schnulz-Bolzen! Aber unsere Eltern bekommen ein Glühen in den Augen und rote Backen vom Mitsingen, da merk ich, das erinnert sie an etwas Schönes! So wie, wenn mein Bruder und ich Baila hören. Ja da ging die Post ab, auf unseren Trips durch Sri Lanka, wenn wir bis nach Bandarawella und Nuwera Eliya gefahren sind, voll gepackt mit Tanten, Onkel und einen Stoß Cousins! Die Mütter haben am Vorabend bis in die Nacht Essen für die Reise zubereitet, obwohl wir eh wussten, dass wir für Lunchpakete irgendwo Halt machen würden!

Musik bringt, wenn ich so ausschweife, die schönsten Erinnerungen ans Tageslicht ähnlich wie das olfaktorische Gedächtnis, das Erinnerungen mit Gerüchen verknüpft.

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Und ich kann ganz wunderbar von Sharukh Khan träumen. .

(illustrations by Nidhi Chanini http://www.everydayloveart.com)

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