Beflügelt

🐟Reif für die Insel 🌴

Nachdem ich mir zwei Tage gegönnt habe um in Korea anzukommen (und das Finalspiel der WM in Ruhe sehen zu können – wobei es mich emotional nicht so mitgerissen hat, wie ich es erwartet hätte und wie es für meine Motivation um 3:00 noch wach zu sein angemessen gewesen wäre), machte ich mich am Dienstag (15.07) auf meinen Weg auf die Insel Jeju. Ich nahm einen Flug vom Domestic Airport, wo ich zum ersten Mal mit der Tatsache konfrontiert wurde, dass ich die einzige war. Die einzige allein, die einzige mit einem Rucksack, die einzige mit dunkler Haut. Die einzige Nicht-Koreanerin. Ok, nicht ganz, da waren ja wohl eine Handvoll Ausländer, aber die machten das Kraut auch nicht mehr fett.

Da saß ich nun, viel zu früh dran zum eincheken, in einem Gewusel und Meer von Blicken auf einem Sessel, der mir beinahe ein Schleudertrauma verpasste, weil es mich jedesmal, wenn jemand neben mir Platz nahm oder aufstand durchrüttelte als säße ich in einem Sessellift! Das wohl was heißen bei den Fliegengewichten, die die Koreaner haben.
Mein Unwohlsein setzte sich in meinen Nacken und machte es sich da sehr gemütlich.

Der Flug dauerte nur eine knappe Stunde und bin der ganzen Ansage auf Englisch verstand ich nur Jeju City. Was auch die wichtigste Information für mich war, ich war im richtigen Flieger.

Das erste, was uns beim Sinkflug auf die Insel erwartete, waren dicke Regentropfen. Herrlich, Regen.

Noch war ich recht gefasst, ich würde jetzt den Bus 6000 finden und mich dann gemütlich zu meinem Inn begeben. A piece of cake, dachte ich.
Nur um sicher zu gehen, machte ich einen Abstecher zur Touristeninformation, schlussendlich nur um mir eine gehörige Portion Verunsicherung abzuholen. Denn, die Haltestelle, die mir vom Inn angeben wurde, kannte die Dame an der Information nicht. Sie nannte mir eine andere. Die Haltestellen waren alle nach irgendwelchen Attraktionen oder, wie in meinem Fall, nach einem Hotel benannt.
Ich war nun beim Bus und beschloss der Information zu vertrauen, aber ich war mir nicht mehr sicher. Und der Regen half gar nicht!
Ich saß im Bus, nicht sicher, wo aussteigen und schon gar nicht sicher, WANN genau den Bus verlassen. So sah sich mein armer Sitznachbar genötigt, sich durch meine wirre Gestikulation belästigen zu lassen, ohne von großer Hilfe zu sein.
Um mir den Nacken noch einen Grad mehr zu versteifen, kam der Regen nicht mehr nur in Kübel herunter, sondern in Bächen! Als ob wir uns in einer Waschanlage und nicht auf der Straße befunden hätten. Die Straßen waren zu Flüssen verwandelt, von einem Gehweg fehlte jedes Zeichen. Wer zu dem Moment eine Schwimmweste, Paddelboot oder Flossen mit hatte, war klar im Vorteil.
So ging die Fahrt dahin und ich wurde Zeugin davon, wie die paar traurigen Passanten von unserem Bus auch noch eine Dusche abkriegten.

Je näher ich der mir angegeben Haltestelle kam, desto nervöser wurde ich. Was schlimmeres als an der falschen Haltestelle auszusteigen, konnte ich mir bei dem Traumwetter nicht vorstellen.
Nachdem mir der Buschaffeur einen verächtlichen Blick zuwarf, als ich ihn nochmal mit der Frage betraute, verkrümmelte ich mich auf meinen Sitz und sah mich schon, als eine dieser traurigen nassen Passanten enden. Mein Sitznachbar klopfte mir auf die Schulter und signalisierte mir “3 Haltestellen noch”, wo er aussteigen werde und wo ich dann aussteigen soll.

Ich tat also wie mir geheißen, die besagte Haltestelle kam und ich stand im Regen um schnell meinen Rucksack aus der Lade herauszuzerren. Kaum hob ich meinen Kopf, verstand ich nun auch, warum der Buschaffeur genervt von mir war: Das Hotel, was mir das Inn geheißen hatte und das Hotel, das offiziell den Namen für die Haltestelle hergab, lagen Fußweg 5 Meter auseinander!

Es war zwar erst kurz vor 19:00, aber der Himmel finster mit böse dreinblickenden Wolken, zickigem Wind und so viel Wasser! Meine Selbstsicherheit lag nach wenigen Schritten weggeschwemmt irgendwo in einer Rinne.
Ich hoffte nur noch, dass dieses blöde Inn endlich in Sicht kam. Es kam auch, getarnt als eine Leuchtreklame, bei der fast alle englischen Buchstaben fehlten und nur auf koreanisch war was zu erkennen. Was für mich einerlei war, und wenn es mir tanzend den Weg gewiesen hätte, wir hätten uns eh nicht verstanden. Aber ich ging einfach mal auf diese Überbleibsel zu und tatsächlich, ich war richtig.
Mich erwartete der Inhaber, der gleich mal das Geld in bar kassierte und mir den Schlüssel überreichte. In den fünften Stock – ohne Lift. Ich wusste zu dem Zeitpunkt zwar nicht, dass ich die einzige mit Traumaussicht war, es wäre mir aber auch egal gewesen.
Ich schnallte mich ab, sah im Spiegel meine Vermutung bestätigt, dass jetzt auch FRISCHMACHEN nichts half und ging wieder hinunter um endlich meinem Magen mehr zum spielen zu geben als paar labberige Pommes vom Flughafen.

Der Inhaber empfahl mir zwei Lokale in der unmittelbaren Umgebung, also spannte ich meinen chicen Leoprint Schirm auf und ging auf die Suche nach Essen.

Beim ersten Restaurant wurde mir durch eine zwei cm geöffnete Tür mit heftigen Kopfschütteln der Zugang verweigert. Soll euch der Blitz treffen!
Weiter zum nächsten. Da blickte ich schüchtern hinein und erblickte einen einzelnen Mann an einem großen Tisch sitzen. Die waren also Pro-Single! Erleichtert trat ich ein und durfte an einem Tisch für (locker) sechs Personen Platz nehmen! Alles in dem Lokal war in koreanisch beschriftet, so musste ich wohl oder übel das nehmen, was die Kellnerin mir anbot. Bibimbap.

Ich hatte nicht viel Zeit, mein Essen zu begutachten, schon hatte ich den ersten Bissen im Mund! Man soll ja nicht mit vollem Mund reden, aber den Mund nicht zu voll zu nehmen, sollte ich mir auch mal bei Gelegenheit merken.
Während ich mich durch mein Bibimbap grub, setzte sich eine Familie an den Nebentisch. Die Oma der Familie fing prompt an mit mir zu reden, erst auf Koreanisch. Ich war so höflich, sie nicht mit offenem Mund verwundert anzusehen, der Anblick wäre auch nicht so schön gewesen. Sondern begnügte mich zu einem, etwas durch vollen Mund verzerrten, Lächeln. Das verstand sie als Aufforderung Englisch mit mir zu reden. Sie fragte mich, woher ich sei, was ich auf Jeju machte (ja, das fragte ich mich in dem Moment auch sehr stark), warum ich allein sei. Diese Frage stellte sie mehrmals, war ganz verwundert, dass ich tatsächlich allein war und nicht etwa meine Begleitung in der Tasche verstaut hatte. Das sei ja äußert mutig, sie könnte das nie und die ganze Familie, bis auf den Opa (der wohl nicht so recht mitkam und sich allein auf die Beilagen stürzte), der mich nur entgeistert ansah, nickte zustimmend. Ja, schon Recht, ich war ja nicht schon kurz vorm Heulen, bohrt nur weiter…
Nachdem meine Schüssel kein Essen mehr hergab, machte ich mich schnell davon und wünschte dem ersten Lokal beim Vorbeigeht nochmal Blitz UND Donner an den Hals!

Am nächsten Tag ging es mir schon etwas besser, ich stand erst nach Mittag auf und es schien die Sonne.
In der Küche traf ich auf eine Gruppe von jungen Studentinnen aus Frankreich und Deutschland, die in Seoul studierten. Sie luden mich ein am nächsten Tag mit ihnen zu einem Lava Tunnel zu fahren. Ich war so dankbar, ich wäre auch mit ins Teddybär Museum gegangen.

Meinen ersten Tag in Seogwipo verbrachte ich mit der Besichtigung von zwei Wasserfällen ( Cheonjiyeon und Jeonbang).
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Ich spazierte auf eine winzige Insel am Hafen von Seogwipo und entlang der Küste, die einen schönen weiten Blick über das Meer bot.
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Es war immer ein besonderer Moment endlich am Meer zu sein. Das Wasser rollte herein und zerbrach in Millionen Diamanten an den Klippen und Felsen.

Ich wanderte wohin meine Füße mich auch trugen, vorbei an etlichen koreanischen Restaurants, die in der Hitze vor sich hin schmorten, vorbei an Kindern, die in einem Brunnen Abkühlung fanden.

Am Abend besuchte ich noch ein weiteres Mal den Cheonjiyeon Wasserfall und fand mich wieder unter ganz vielen Turteltauben, aber Hank war ja bei mir. image

Mein guter Hippo und ich ließen uns nicht beirren und genossen das Farbenspiel, das durch mehrere Lampen auf das Wasser geworfen wurde!
Auch war der Hafen bei Nacht sehr hübsch beleuchtet und war eine Idylle.
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Am nächsten Tag brachen die Mädels und ich auf zu diesem Lava Tube, eine natürlich durch Lava entstandener Tunnel.
Die Fahrt dauerte mehr als zwei Stunden, in denen wir uns des öfteren nicht sicher waren, ob wir noch am rechten Weg waren. Dann mussten wir noch einen Marsch von gut einer halben Stunde bei sengender Hitze zurücklegen, dass die Finsternis und der Temperaturabsturz von mindestens zehn Grad im Tunnel wie eine kalte Dusche auf uns niederging.
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Ich sah nicht viel außer sehr viel Dunkelheit mit hie und da spärlich beleuchteten Flecken, die tiefschwarz waren.
Der Spaziergang durch den Tunnel dauerte vielleicht eine Stunde und ich hatte mir tatsächlich schon die Zehen abgefroren, auch weil wir alle in irgendwelche Pfützen stolperten.

Kaum waren wir von unserer “untertags-Erfahrung” wieder an der Oberfläche, prallten wir gegen eine gewaltige Wand an gestauter Hitze und Luftfeuchtigkeit, dass mir meine Brille sofort jede Sicht verweigerte und ich sah eine Zeit lang nur weiß.

Wir gönnten uns ein gutes Mittagessen und machten uns auf zum Highlight des Tages: Jeju love land.
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Ich konnte mir nichts darunter vorstellen, aber ich sollte noch die berühmten Bauklötze staunen.
Ein offen angelegter Freizeitpark, gestaltet von Kunst-Studenten, der den Geschlechtsverkehr, und nicht etwa Liebe oder Sex in seinen vielen Aspekten im Spiegel der Zeit darstellte, nein. Es war die groteske Darstellung der körperlichen Liebe in echt verstörender Weise. Dabei hab ich tagtäglich damit zu tun und werde von unseren Patienten selten von den pikanten (bald schon ekligen) Details verschont! Aber hier war ich doch glatt sprachlos.
Hier kamen die jungverheirateten Koreaner her um über das Thema zu lernen, nur was, frage ich mich?! Ich würde da ja eher für die Abstinenz plädieren, so unappetitlich war das!
Den einen oder anderen Kicheranfall, wenn eine Oma mit ihrem Enkel unter einer überdimensionalen Vagina durchspazierte, konnten wir uns dann doch nicht verkneifen!

Mein ursprünglicher Plan für die Insel war ja mich in die unmittelbare Nähe eines Strandes zu pflanzen und einfach nichts zu tun aber es war gar nicht so einfach einen Strand zu finden, der auch zugänglich war. Aber am vorletzten Tag war ich endlich am Jungmun Beach.
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Endlich konnte ich den Kontakt zum Meer herstellen. Birkenstock in die Hände genommen, ließ ich mich von Meer umspielen.
So sehr ich das Wasser liebe, vor dem Meer hab ich doch großen Respekt. Seine Gewalt wird nur zu oft ob der betörenden Schönheit übersehen und ich bin wie in Trance wenn ich in die Wellen eintauche und schon ziehen sie mir den Boden unter den Füßen weg, umspülen und verschlucken mich, dass ich jede Orientierung verliere um panisch aufzutauchen!
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Ich fand zwar Tage danach noch Sand in meinen Haaren und in meinem Rucksack, aber das erinnerte mich jedesmal daran, wie schön es war!

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